Tue Gutes und rede darüber

26. Januar 2014

Meine Herrn ist das Nerven-aufkratzend sich in die Entschleunigung und Stille zu begeben und nur zu fühlen. Ich hab mich echt zusammen gerissen und eine Woche gewartet mit Was-tun, weil ich hören wollte, was da so alles in mir aufpoppt, wenn ich mal wirklich Nix-mach. Rosarot sehe ich ja schon lange nicht mehr, aber das dunkle Grau, was ich jetzt in mir erblicke, erschrickt mich.

Wenn ich Nichts-mach schlage ich vor lauer Ruhe kuppeister. Dann sitze ich da und will fühlen, aber fühle nichts. Ich presse und fühle immer noch nichts. Das macht mich dann wütend. Aber ich lerne: Fühlen kann ich nicht erpressen. Fühlen will von sich aus kommen. Fühlen braucht Zeit, viel mehr als ich denke und es will sowas von in Ruhe gelassen werden. Gut, also gebe ich mir noch ne Woche mit fühlen.

Was ich auch noch herausgefunden hab ist, dass ich meine Bedürftigkeit nicht spüre, wenn ich Nichts-tue. Ich höre nur Traurigkeit in mir und Angst. Na ja, nicht nur, aber das kommt schon häufiger vor als vor ein paar Monaten, wo ich noch sehr beschäftigt war. Aber was ich brauche und was ich mir selber geben könnte krieg ich nicht zu fassen. Das bekomme ich besser am Schlafittchen, wenn jemand meine Grenzen überschreitet und in mein Energiefeld stampft. Dann fühle ich Ungerechtigkeit, Übergriffigkeit und das Bedürfnis für mich grade zu stehen. Das möchte ich jetzt noch im Nichts-tu-Zustand zu fassen bekommen. Wäre doch viel Schöner.

Okay, wenn ich bei Sonnenschein durch die Natur gehe und mich zehn Kilometer hier durch die Hüttener Berge spazieren-begegebe, dann geht es mir gut. Aber dann lenke ich mich, wenn ich mal ganz ehrlich bin, doch auch wieder ab mit dem Schönen. Dann erblicke ich solch schöne Natur-Spektakelchen die ich dann beobachte und in mein Herz hineinnehme, wie bei Frederick und seinen Mäusefreunde. Statt Nüssen sammelt Frederick als Wintervorrat lieber Sonnenstrahlen und Farben. Die kann er dann wiederholen, wenn es kalt und grau ist. Wenn ich mich genüsslich ins Nichts-tun setze und versuche die Schönheit der Erde in mir wiederkehren zu lassen, dann krabbelt in mir so ein dummes graues Monster an meiner Seele hoch.

Da fällt mir der Film Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ein. Der lief letzten Mittwoch auf Arte. Es ist ein Doku-Film, der mich sehr bewegt hat. Danke Benita für diesen wertvollen Tipp und diese herrliche Ablenkung vom Nichts-tun.

In dem Film geht es um Entschleunigung und darum, wer schuld ist, dass wir immer schneller, höher und weiter müssen und über Aussteiger, die etwas ändern wollen und es auch geschafft haben. Oder von einer Alp-Familie, denen es schon immer gut ging, weil sie schon immer enthaltsam und entschleunigt leben. In seinem Dokumentarfilm begibt sich der Filmemacher und Autor Florian Opitz auf die Suche nach der verlorenen Zeit.

Doch seinen Aussteigern geht es allen gut. Jedenfalls zeigt es so sein Film. Keiner von denen sagt etwas von diesem Entschleunigungs-Blues, den ich hier fahre. Mach ich was falsch? Bin ich gar falsch abgebogen? Stand auf dem Schild nicht Ausstieg-Entschleunigungs-Traum-Land sondern Grübel-Schach-Matt-Einsiedelei? Oder sieht das alles nach einem Jahr schon wieder ganz fein aus und ich kann mich an die Pein die ich jetzt durchleide, nicht mehr erinnern?

Oder haben die in dem Film immer dann davon gesprochen, was zwischen Ausstieg und Verwirklichung wirklich passiert ist, als die Kameras schon eingepackt waren? Ich kann mir gar nicht vorstellen, das der eine Typ, der ganz weit oben bei der Deutschen Bank und später bei so einer fiesen Amerikanischen Bank war, nach seinem Ausstieg aus der hammer Kapitalisten-Welt nicht in dieses Aussteiger-Loch geplumpst ist. Der muss doch einen Rappel bekommen haben.

Okay, der ist ein halbes Jahr von irgendwo bis ganz nach Nizza oder so ähnlich, zu Fuß gelaufen. Der hat was gemacht, um sich das Runterfahren zu versüßen. Und immer wenn er bitter aufgestoßen hat brauchte er nur in die schöne Natur zu schauen. Natur beruhigt. Könnte ich doch bloß jetzt Den Acker umgraben und bereits bestellen.

Sollte ich auch erst einmal irgendwo hinlaufen? dann würden meine Gedanken sich ordnen können und nach meinen Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen und auf Klo-gehen könnte ich dann laufend nach meinen Bedürfnissen in meinem Innersten suchen. So macht es mir auf alle Fälle keine große Freude. Das ist eher wie bei den Mönchen im Kloster.

Ich war sowas von naiv. Dachte ich doch tatsächlich ich könnte mal eben runter schalten und auf Om machen.

Vielleicht kann ich täglich oder jeden zweiten Tag diesen wunderschönen Zehn-Kilometer-Marsch-durch-die-Hüttener-Berge gehen. Der lässt auch Raum für Gedanken und Gefühle können kommen, mit des Weges gehen und sich verziehen. Zwei Stunden hab ich heute dafür gebraucht. Und irgendwann kenn ich jeden Grashalm und dann kann er mich noch nicht einmal mehr durch seine Pracht ablenken. Das ist dann wie Stricken, Bügeln oder ins Feuer schauen. Ich werde mir meditative Ausgleichs-Aufgaben suchen, um mich wieder auf Spur zu bringen und dann werde ich vielleicht was fühlen. Jou, das wäre ein Anfang. Mein Naturell braucht einen Beißring.

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