Happy Birthday, kleines Ich!

2. März 2014

Morgen hab ich Geburtstag. Ich werde 42. Das sechste Jahr-Siebt ist voll. Wow! Und wenn ich mir was wünschen darf, so doch am allerliebsten, dass ich klar-sehe oder besser gesagt weiß,-was-kommen-wird. Doch ist das bei meinem Lebenswetter wohl nicht drin. Die Sicht ist noch nicht einmal einen Monat weit. Ich kann mir beim besten Willen nicht genau sagen, wo ich im Herbst des Nachts in den Sternen-Himmel schau. Nur ahnen tue ich ab und an was, wenn ich zum Beispiel auf meinen täglichen 10-km-Wanderungen bin. Dann besuchen mich Visionen, aber greifbar sind sie nicht. Sie huschen eher um mich herum und kiecksen vor Freude.

Doch um die Baldigen-frohen-Neuigkeiten soll es hier und heute gar nicht gehen.

Mir geht was anderes durch den Kopf und das schon seit Tagen. Es ist irgendwie ein weiteres Tabu und passt vorzüglich zur Gemeinschaftsbildung. Ein weiteres Das-kannst-Du-doch-nicht-machen, dem ich das Genick brechen will. Vielleicht möchte ich aber auch nur wissen, wie ich es anders machen kann, ohne anderen weh zu tun. Mir aber auch nicht.

Ich war schwer erregt in den letzten Tagen und ich musste wieder einmal erst dieser verdammten Wut auf den Grund gehen, um überhaupt greifen zu können, worum es hier geht. Wieso, weshalb und warum macht mich das Mich-erklären-müssen wütend? Nach Tagen des Darüber-brütens hab ich meinen inneren Schlawiner gefasst.

Hier ein paar Häppchen aus meinem sinnenden Hirn. Wer darf eigentlich sagen, was ich machen darf und was nicht? Und wer ist eigentlich dieser Jenige-Welche, der die unglaubliche Macht über mich besitzt? Dem möchte ich auch das Genick brechen! Nein, aber dem möchte ich Einhalt gebieten. Ist es die Gesellschaft? Aber wer ist sie genau? Sind das nicht wir? Bin das nicht auch ich?

Also, ich habe morgen Geburtstag und möchte den Ehrentag-Meiner im kleinen Rahmen, am Samstag drauf feiern, weil ich mir alles andere momentan gar nicht vorstellen kann zu durchleben. In kleiner Runde zu feiern würde mir gefallen und mir Freude bereiten. So dachte ich in-mich-hinein-fühlend und lud die Hand-voll-Herzens-Menschen ein, die mir just an dem Tag und am Tag drauf und an dem Tag drauf so einfielen. Ich wägte ab, denn ich musste mich entscheiden. In unserem Hexenhäuschen haben nicht übermäßig viele Menschen Platz und ich mag es gerade auch sehr gerne, wenn ich mich mit meinen Gästen zusammen an einem Thema hangelnd unterhalten kann. Alles andere überfordert mich. Mich überfordert ohnehin gerade so einiges und ich übe mich im Mich-ernst-nehmen und Mich-mit-meinen-Bedürfnissen-wahrzunehmen und im Mich-dann-auch-um-das-mich-um-mich-zu-sorgen-zu-kümmern. Das ist so schwer!

Zu unserer Hochzeit letztes Jahr habe ich es auch schon mal geübt. Da war es mir wichtig, Rado nur mit einer handvoll Menschen zu heiraten, weil ich alles andere nicht überlebt hätte. Mir war sehr aussergewöhnlich ums Herz. Nicht dass ich zweifelte, nein, es war ein Moment in meinem Leben, an dem ich mir schon beinahe zu viel war. Ein zu-viel-an-Herzens-Menschen mehr hätte ich nicht ertragen. Ich wäre geplatzt, zersprungen, meine Emotionen hätten den Rahmen und mich gesprengt. Ich brauchte Übersicht, über mich und das, was um mich ist. Ausserdem hatten wir uns entschieden, die fette Feier eh noch folgen zu lassen, wenn wir denn dann irgendwann einen Ort gefunden haben, an dem wir das “Dorf” gründen und ausgiebig feiern können. Das wird dann sein, wenn wir wissen, wo wir im Herbst nachts in den Sternen-Himmel schauen.

Zurück zum Ehrentag-meiner-Selbst. Ich habe mich gefragt, wie ich ihn dies Jahr feiern möchte und mich daraufhin entschieden, mit wem. Bis dahin war es schon schwer genug, doch jetzt kommts. Wie verhalte ich mich denn jetzt denjenigen gegenüber, die ich nicht eingeladen habe, die mir aber auch am Herzen liegen? Schweige ich oder sage ich irgendwas? Und, was sage ich, wenn ich nicht schweige?

Ich muss gestehen, dass ich bis letzte Woche noch gar nicht darüber einen Gedanken verschwendete. Ich tappste ganz jungfräulich umher. Ich dachte gar nichts und wenn, dann eher so etwas wie “ich darf machen, was ich will”.

Dann trat ich in ein Fettnäpfchen und merkte es nicht. Ich brauchte erst eine Mail einer eingeladenen Freundin, weil ich eine gemeinsame Freundin nicht eingeladen habe, aber eine andere gemeinsame. Diese beiden kennen sich jedoch sehr gut und wenn die sich nun austauschen würden, dann …

… dann ist es doch klar, dass sich die eine gemeinsame Freundin schlecht fühlt, weil ich die andere gemeinsame Freundin bevorzugt habe. Und sie wird sich fragen “warum?”

Okay, ich brauchte nicht lange und verstand, auch wenn ich innerlich bereits Wut in mir hochschwellen fühlte. “Es tut mir leid, ich werde sie anrufen und es ihr sagen!” ich holte Luft “Ich fühle eine mitgelieferte Wertung, die stört mich!” erwiderte ich und meine Atmung war turbuliert. Ich bin noch neu im Mich-wahrnehmen-und-gleich-darauf-in-Aktion-treten. “Wieso muss denn über die Den-hab-ich-lieber-oder-weniger-lieb-Wert überhaupt spekuliert werden? Derjenige, der darüber urteilt, ist doch selber schuld, dass er sich doof fühlt. Ich kann nicht alle, die mir am Herzen liegen einladen, das sprengt das Haus. Ausserdem möchte ich mich gar nicht rechtfertigen!”. Meine ungeübte Art, Für-mich-einzustehen wurde deutlich hörbar. Ich wurde lauter.

Irre, ich habe aus meiner Mir-selbst-erarbeiteten-42-jährigen-Sicht die freie Wahl, wen ich zu meinem Ehren-Tag einladen möchte, merke aber, und das habe ich auch schon bei der Hochzeit gemerkt, dass ich anderen auf den Schlips trete, ob ich es will oder nicht. Das ist so, wenn ich mich nur zu meinem Wohle entscheide.

Als ich noch Dienstleistungen verkaufte, war ich zu jedem meiner (auch werdenden) Kunden so freundlich, dass er sich wie mein Lieblings-Kunde fühlte. Das nannte ich dann Umpuscheln. Kunden wollen umpuschelt werden, denn dann fühlen sie sich wie Könige und dann bekommt man die Aufträge, weil jeder möchte wie ein König behandelt werden. Ganz einfach. So läuft’s. Die professionelle Freundlichkeit liegt nur sehr dicht bei dem Sich-prostituieren. Der Grad, richtung manipulierender Freundlichkeit abzurutschen ist fein, es liegen nur Häuchlein dazwischen.

Schon zum Kinder-Geburtstag überlegen Kinder, wen sie einladen, damit sie widerum von Dem-und-Dem gemocht und erwidernd eingeladen werden. Aber Um-zu ist doch im Herzens-Leben, in das ich mich gerade versuche aufzumachen, gruselig mit-hin-zu-nehmen. Ich möchte dieses Jahr die Freundin einladen dürfen und nächstes Jahr jene, ohne dass sie und ich oder sonst jemand da hinein eine Wertung legt. Und ich möchte jeden Menschen individuell betrachten und lieb haben dürfen. Mit der einen Freundin bin ich lieber alleine, mit der anderen gern zu mehreren und wieder eine andere sehe ich nur alle zwei Jahre und das reicht. Es wird erst doof, wenn wir es bewerten.

Meine Freundlichkeit und Freundschaft kann doch nur so weit gehen, bis sie die Freiheit die ich zum leben brauche, beginnt einzuschränken. Sobald ich an meine Grenzen komme, muss ich mich um mich sorgen sonst hat doch auch mein Herzens-Gegenüber nichts davon. Wenn ich über meinen Freiheitsraum gehe und beginne zu leiden, dann leidet mein Gegenüber früher oder später auch.

Ich bin dabei leben-zu-lernen. Ich lerne zu fühlen, was für mich Lebensfreude bedeutet und lebbar ist, was ich brauche und was ich gern hab. Ich übe mich im Benennen der Frösche-im-Hals, denn ich möchte mein Leben leben.

4 Kommentare vorhanden

  1. Benita sagt:

    Meine liebe Agapi,
    ich wünsche Dir Glück und Erfüllung Deiner Wünsche und Kraft und schließlich die heitere liebevolle Souveränität, so zu leben wie DU möchtest. Das wird schon und Deine wirklichen Freundinnen und Freunde werden mit Dir sein, auch wenn Du sie nicht zu jeder Party, jedem Essen etc. einlädst!!! Baci von Benita aus HH

  2. Sigi sagt:

    Hei Agapi. 3. März.
    Auch das noch. Oder vielleicht deswegen?
    Sigi hatte Geburtstag am 6. März.
    Es fischlt.
    Ganz viele Grüße aus Bayern.
    Sigi

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