Was gutes dir die Götter bringen

7. Juni 2014

Es ist gleich sechs, ich kann nicht mehr schlafen, mein Hirn arbeitet, es verdaut das erlebte, kaut auf dem gesprochenen herum und am liebsten würde ich mich weiter an die viele Arbeit setzen. Aber ich bin gar nicht im Hexenäuschen. Ich bin in Hamburg geblieben, weil ich heute auf einen Geburtstag eingeladen bin. Auf das Garten-Fest hab ich mich schon über zwei Monate freuen dürfen. Und es passte hier zu bleiben. Gestern mittag die Prüferin, abends zu meiner Freundin Ute und ihrer Familie, heute noch Schrank-Abgeben und am Nachmittag in den Garten zum feiern.

Wir sind bio-zertifiziert! Wir haben eine eigene Kontroll-Nummer!

Es war unglaublich spannend, lehrreich und komplex gestern mit der Frau von ABCert. Zwei Stunden haben wir gebraucht, um geprüft zu werden und, um das Geprüfte und das Geprüft-Werden in Zukunft auch zu verstehen. Es gibt fortan sehr viel zu beachten, bedenken, aufzuschreiben, abzuheften. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass wir alles und jeden Schritt unseres Tuns von nun an protokollieren sollten. Davon sprach ja auch schon der Chemiker neulich.

Ich hab mir die ganze Zeit Notizen gemacht. Worte tauchten auf, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Ich konnte diese Exoten natürlich als Legastheniker gar nicht aufschreiben, weil genau das passierte, was damals in der Schule immer geschah. Mir schwirrten die Buchstaben im Kopf, sie tanzten mir was vor und schwups war die wirklich sehr sympathische Bio-Zertifiziererin schon ganz wo anders. Sie war durch und durch ne Checkerin, sie war schnell und extrem schlau, ne ganz tolle Frau, aufgeweckt, heiter und trotzdem sehr gewissenhaft und streng wie es eine Prüferin eben sein muss.

Als ich sie nach gefühlten 10 Minuten bat, die Buchstaben in meinem Kopf hatten sich wieder hingesetzt, für mich noch einmal zurück zu diesem unglaublichen Satz mit dem Wortlaut “Rauchsalz (xxx-Salz mit xxxxx)” zurück zu gehen, da schaute sie mich ganz verständnisvoll an. “Entschuldigen Sie, Ich vergesse immer, dass sie nicht aus der Branche kommen. Gut das Sie fragen. Bitte rufen Sie uns auch immer an, wenn Sie Zukünftig Fragen haben. Wir sind ein Dienstleister, der für Sie da ist.” Sie war immer noch schnell aber jetzt konnte ich ihr folgen. “Gut das sie gefragt haben!”

Sie hatte mir das Gefühl vermitteln können, dass ich von nun an öfters Fragen stellen konnte ohne vorweg zu schicken “Ich hab mal ne dumme Frage”. Das mach ich bei Menschen, die mir das Gefühl nicht vermitteln konnten. Sie hat es geschafft.

Am Ende erfuhr ich, dass Sie so schnell war, weil wir ihr gesagt hatten, dass es schnell gehen muss.

Dass sie uns so ernst nahm, wusste ich nicht. Ich war gerührt. Sie wollte die Unterlagen noch gleich nach unserem Gespräch in die Post geben, damit die Zentrale im Süden gleich nächste Woche die Zertifizierung drucken und uns mit Siegel versehen zuschicken könnte. Sie meinte zwar, dass wir jetzt schon damit berechtigt seien die Produkte mit Biosiegel und Angabe der Kontrollstelle zu vermarkten und zu verkaufen, aber dass das Papier, welches ich dann in einem Rahmen an unserer Markt-Stand-Rückwand aufhängen möchte oder Rolf Winter vom Gut Wulksfelde mit stolz geschwellter Brust zeigen möchte, noch etwas Zeit bräuchte. Ausserdem sei ja Pfingst-Wochenende. Sie hatte an alles gedacht.

Ein großer Schritt ist getan. Ich bin sehr dankbar, hole tief Luft, genieße heute meinen freien Tag und werde für Svenja das Geburtstags-Lied “Was Gutes Dir die Götter senden, bewahr es treu in deinen Händen.” im Garten singen und mich dann köstlich amüsieren.

Danke Joseph Haydn für diese wunderschöne Lied.

WasGutesDir

 

2 Kommentare vorhanden

  1. stefan hiby sagt:

    Wunderbar – herzlichen Dank!

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