1.000 Zeichen

18. Juli 2014

Ein noch ganz junges Magazin hat mich gefragt, ob ich über meine Wünsche, Ziele und Erfahrungen ein Dorf-zu-gründen, sprechen möchte. Ich möge es kurz und knackig, nicht ausformuliert runterschreiben. Sie formulieren es dann aus. Es sollen hinterher 800 bis 1.000 Zeichen pro Projekt werden, plus Foto.

Ja, was sind meine Wünsche, Ziele und Erfahrungen?

Fang ich hinten an. Erfahrungen habe ich, seit ich den Impuls ein-Dorf-zu-gründen verspürt habe, üppigste machen dürfen. Erst einmal musste ich mir klar darüber werden, was ich mir für ein Dorf wünsche und warum ich es mir so sehr wünsche, dass ich meine zweite Lebenshälfte dafür hergeben will. Ein Dorf wächst normalerweise ja ganz entspannt über Jahrhunderte heran. Heute können nirgends mehr Dörfer wachsen, heute ist überall schon was und ich bin schon 42, es muss also geschwind wachsen, wenn ich davon noch was erhaschen möchte.

Eine der normalsten Erkenntnisse war bisher wohl, dass ich, um meinen Herzens-Impuls umzusetzen, erst einmal ganz weltliche Hürden nehmen muss. Wo gibt es überhaupt noch eine zusammenhängende freie Fläche, die dem Wunsch ein-frisches-Dorf-werden-zu-lassen, Raum gibt? Ich wünsche mir eine freie neutrale Fläche, wie ein großes weißes Blatt Papier, auf dem ich achtsam malen darf.

Ich musste akzeptieren lernen, dass ich in einer Zeit lebe, in der alles Land auf Erden bereits vergeben und mittlerweile weiter-und-wieder-weiter-gereicht wurde. Alles Land hat mittlerweile Geschichte auf dem Buckel, das eine mehr, das andere weniger.

Aber mal positiv angenommen, es gäbe den Raum, der liebgehabt wurde und der noch zusammenhängt, woher nehmen, wenn nicht stehlen? Dazu kommt, dass im Deutschland des 21. Jahrhundert nicht mehr viel erlaubt ist. Da sind die Flächen aufgeteilt in hier-darfst-du-nix-machen und hier-darfst-du-ganz-vielleicht-was-machen,-aber-das-muss-in-vielen-Gremien-entschieden-werden.

Nun ja, weltliche Dinge haben mich noch nie aufgehalten. Da hat mich wohl der liebe Gott mit unglaublichem Glauben-an-mich-und-ihn ausgestattet. Aber das Ganze Weltliche hat mich zum nachsinnen und -fühlen gebracht. Ich habe mich dabei kennen lernen und einen meiner Herzenswünsche zu fassen bekommen dürfen. Ja, mir ist es wichtig, etwas selber zu gestalten und ins Leben zu rufen, egal wie utopisch es scheint. Und Ja, ich besitze kein Land und keine Millionen, aber und das ist nicht zu unterschätzen, ich bin wie Obelix durchtränkt worden mit Gestaltungskraft, Willensstärke und Durchhaltevermögen.

Das kann gut die Überleitung zu einer meiner nächsten Erkenntnis sein, aus der ein Wunsch entstanden ist. Ich glaube, dass jeder von uns durch seine Bedürftigkeit gelenkt wird. Das ist auch gut so. Sie treibt uns an, sie ist unser Motor. Doch wenn uns nicht bewusst ist, was uns treibt, dann rasseln wir nichtsahnend in vermeintlich fiese Schicksals-Näpfchen, die uns das Leben zur Hölle machen. Diese Näpfchen oder besser gesagt Täler zwängen uns interessante Fragen auf, die uns weiter bringen könnten, wenn wir uns denn trauen, ihnen ehrlich zu begegnen.

Darauf hab ich Lust. Ich habe den Wunsch, mich in Gemeinschaft weiter zu entwickeln und ich möchte mit Menschen leben und arbeiten, die sich auch bewusst mit sich auseinander setzen und sich weiter entwickeln wollen. Ich habe die Sehnsucht nach einem Kommunikations-Wunder. Ich meine, wir können zum Mond fliegen?! Dann können wir es doch vielleicht auch mal angehen, friedlich und ehrlich zu kommunizieren. Ja, ich denke fett, ich wünsch mir Weltfrieden und fang schon mal an.

Ja, auch ich habe manchmaloft noch Angst, Angst mich einzulassen, nichts Wert zu sein oder verlassen zu werden. Aber ich werde immer besser meinen Ängsten und Bedürftigkeiten gewahr und dann kann ich ganz anders reagieren, wenn ich angegriffen werde oder mir mit Dogma begegnet wird.

Und das mir so ne Dorfgründung nicht so schnell von der Hand geht, wie meine Design-Agentur 2000 zu gründen, ist auch gut. Ich werde vom Schicksal noch ausgebrütet. Auch eine Erkenntnis. Vielleicht werde ich auch mein ganzes Leben lang ausgebrütet und das Dorf-gründen ist nur Mittel zum Zweck. Ist Gebrütet-werden nicht der Sinn des Lebens?

Ich glaube, dass der Mensch nur mit anderen Menschen gemeinsam das heile machen kann, was der Menschen mit und an anderen Menschen kaputt gemacht hat.

Wie das genau aussehen kann, kann man im Konzept „Handeln ist Gold“ nachlesen. Aber auch da habe ich Erfahrungen machen dürfen. Nicht jeder, der ein Dorf gründen möchte und die Grundwerte teilt, teilt die Grundwerte. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten Werte zu interpre-leben. Ein Nationalist z. B. kann Bio auch toll finden, weil es auch was mit Regional-Liebhaberei zu tun hat.

Auf alle Fälle braucht es noch Zeit. Manches passiert auch schon und wird, aber darüber möchte ich nicht im Internet oder in einem Magazin sprechen. Klar ist, das Rado und ich in der Zwischenzeit schon mal einen Teil der wirtschaftlichen Basis des Dorfes gründen. GUTDING besteht momentan aus drei Bereichen, aus vegetarische und vegane Lebensmittel, aus Upcycling-Unikate (aus gebrauchtem Plastik, Holz und Textilien sowie Restaurierungen) und Kunst. GUTDING ist nur ein Teil vom Ganzen und kann für viele im Dorf ein Betätigungsfeld sein und ihre Existenz sichern. Natürlich sind weitere Ideen, die die Eigenständigkeit des Dorfes fördern, herzlich willkommen.

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