Sommer-Schlaf

27. Juli 2014

Die Hitze macht mir ein wenig zu schaffen. Ich bin dann so träge. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Rado und ich die letzte Zeit rumgerödelt haben, als wenn’s kein Morgen gäbe. Da macht mein Körper, wie zu Karriere-Zeiten, einfach schlapp. Dann möchte er ins Bett gebracht werden und sich ausruhen. Er lässt mir dann auch die Augen schwer werden, damit ich nichts mehr sehen kann und ruhe.

Ich gebe gerne nach, lege mich hin und freu mich nach meinem Mittagsschlaf wieder etwas frischer zu sein. An manchen Tagen schaffe ich es dann noch meinen Lieblings-Spazier-Weg zu gehen. Danach möchte ich mich aber auch gleich wieder hinlegen.

Mittagsschlaf, das hätte ich mir vor 10 Jahren nicht gegönnt. Da hab ich gedacht, ich müsste alles schaffen und schlapp-machen sei uncool. Heute liebe ich mich dafür, dass ich sogar bei Super-Sonnenschein die Äuglein schließen kann und mir friedlich zuflüstere „hei, das ist völlig in Ordnung, Agapi. Du hast so viel geschafft in den letzten Tagen, da darfst du dich auch mal ausruhen!“ Und schwups bin ich eingeschlummert.

Der Sommer in Martinshof ist herrlich-schön. Die Vögel zwitschern so laut und so üppig, das man meinen könnte, man säße im Dschungel. Die Natur ist prall, saftig und willensstark. Die Bäume und Büsche, die ich im Spät-Herbst-Früh-Winter noch runter geschnitten hatte und zwischendurch Schiss bekam, sie getötet zu haben, sprotzen was das Zeug hält. Ich bastle Ableger* und begieße sie immer ganz fleißig, um gegen die Hitze und die absorbierende Fähigkeit der Sonne gegen an zu kommen. Ein Forsythien-Zweiglein hat es schon geschafft, er hat an einer Stelle frisches Grün. Mein erster Zögling will werden!

Und die ersten drei Tomaten konnten Rado und ich auch schon kosten. Traumhaft süss sind sie und knackig gesund die Haut. Wir haben sie ganz andächtig vernascht und nun betrachte ich jeden Tag ihre Nachfolger. Die brauchen aber noch.

Radieschen, Thymian und Rauke habe ich gepflanzt und kann sie fast wachsen sehen. Die Natur ist ein Geschenk. Sie gibt so viel. Sie beschenkt und das nicht nur mit Tomaten die ich essen kann. Sie gibt auch lustige Blumen in einer solch großen Vielzahl, das ich auf meinem Spazier-Weg gar nicht mehr ihre Üppigkeit verarbeitet bekomme. Es ist zu viel verschiedenes Bunt-Grün geworden, eben wie im Dschungel. Kaum vorzustellen, das im Januar sich lediglich die zwei Sorten Schneeglöckchen durch das braune bereits leicht verkompostete Gammel-Laub räckten. Da wo ich sie gesichtet habe ist jetzt so viel anderes.

Das sind Kontraste! So wie mein Wieder-mega-dolles-Arbeiten und der Mittag-Schlaf. Das ist wie Sommer und Winter. Aber dazwischen liegt der Frühling und der Herbst. Zwischen meinem Mega-Tun und dem Schlafen liegt nur Äuglein-werden-schlapp. Na ja, vielleicht ist es auch Typ-Sache. Ich bin eben ein Stürmchen und kann gar nicht wie ein zarter Lufthauch um die Nase säuseln. Ich komme mit Karacho und tue, was getan werden muss.

Der Raps wird gerade geerntet und die riesen Stroh-Kugel-Schnecken stehen auf den Feldern.
Ist schon Herbst? Ich bin verwirrt!

Mir werden die Äuglein wieder schwer.

 

* Ableger basteln geht ganz leicht. Du schneidest einen Frischen trieb ab und steckst ihn in die Erde. Immer schön feucht halten und dann kann ein neues Pflänzchen daraus werden. Ich probiere es einfach wüst mit allem aus, was ich vermehren möchte und schaue dann, ob es klappt.

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