Herz-Trüffel

19. Oktober 2014

Die Auszeit, die ich mir diese Woche gegönnt hab, könnte ich auch Tournee nennen oder Besuch-den-Freund-Tour. Ich hatte einfach mal das Bedürfnis mich in der alten Heimatstadt sehen und treiben zu lassen. Vielleicht wollte ich aber auch nicht die Ruhe nach dem Sturm spüren – mich spüren. Rado hatte Sohn-Ferien und ist mit Freunden weg gefahren und ich … ja, ich, was mach ich mit dem zerzausten Mich?! So hatte ich mich verabredet und mir Freiräume gelassen, an denen ich schauen konnte, was mich auf dem Weg noch so kreuzen wollte. Es war und ist noch eine feine Zeit. Die Begegnungen, die ich in der doch sehr kurzen Zeit in mein Leben bringen konnte, waren für mich auch mal wieder wichtig. Ich konnte mit einer Freundin vieles wegplaudern und mit anderen über all das, was passiert ist, sprechen – so schön im Gegenübersitzen, wo Pausen des Schweigens auch schön zuzulassen sind.

Aber so Besuchs-Herz-Trüffel-Aufsuch-Reise sind auch berührend und bewegend. Für jede Begegnung, die intensiv ist und nahe geht, weil sie wirklich passiert, brauche ich mittlerweile viel mehr Tage, um sie gebührend zu verdauen. Und das was mein Leben umgibt und das was ich mit Freunden teile, sind auch tiefgehendere Themen geworden. Ich habe mich verändert. Okay, ich war schon immer ein Wesen, dass sein Herz offen auf der Zunge trug, aber die Themen, die mein Herz jetzt in seiner Lebensmitte kaut, sind tiefere geworden. Oder es kaut länger. Es ist, als würde ich mich auf den tieferen Tiefgang in meinem Inneren wirklich einlassen. Wenn ich überlege, wie ich früher zu Agentur-Zeiten meinen Kalender reichlich mit Terminen voll gespickt hatte und somit ein eher fettiges Leben lebte, da hab ich wohl anders verdaut. Heute würde mir ganz schwindelig werden.

Schwindelig ist mir von der Stadt geworden. Ein knappes Jahr lebe ich nun schon in der Einöde, höre die Vögel, den Igel, den Frosch und bin leicht überfordert von dem vielen Verkehr, den breiten Straßen und den vielen Menschen auf den Gehwegen. Selbst wenn ich in einem Café Schutz gesucht habe vor dem Quirrl da Draußen, habe ich gedacht der Quirrl sitzt genau neben mir und trinkt auch einen Kaffee. Bin ich ein Sensibelchen geworden oder gesünder?

An Straßen, die ich früher täglich hin und her gegangen bin, habe ich nichts vermissendes in mir gespürt. Ich habe noch nicht einmal an mein altes Leben gedacht. Geholfen hat mir dabei bestimmt auch, dass sich solch eine große Stadt in einem gefühlt kurzem Jahr doch sehr stark verändert. Es wird ganz schön viel gebaut, abgerissen und Läden an andere vermietet. Es fühlte sich an, als würde mein Mut, mich vom alten Leben abzulösen und den Schritt in die Ich-mach-mal-was-ganz-anderes-Phase zu gehen, belohnt und ich darin bestätigt, für mich das richtige gemacht zu haben.

Jetzt freue ich mich auf die Ruhe, auf die Frösche, die Vögel, die Felder, der Weite, die Trecker … und ich freue mich auch, mich wieder mit voller Kraft und Aufmerksamkeit meinem Wandel zu widmen. Dazu gehört eindeutig GUTDING und die nächste Produktion von unseren Aufstrichen wird jetzt am Montag sein. Und auch der Umzug in das neue hoffnungsfrohe Zuhause rückt näher. Es will viel geplant werden und angestoßen.

Ich werde einfach in der Einöde jeden Abend früh zu Bett gehen. Das ist auch etwas, das mir dort, wo es keine Straßenlaternen gibt, viel leichter fällt.

p.s. Danke, liebe Freundinnen, es war mir ein Fest Euch zu sehen und zu fühlen und sorry, liebe Freundinnen, dass ich Euch erst das nächste Mal oder das übernächste Mal sehen und fühlen werde. Aber zum Glück kann mein Herz zu anderen Herzen fliegen und es kurz oder lange drücken. Welch ein Geschenk.

Hinterlassen Sie einen Kommentar