chérie, es schneit!

6. Dezember 2013

Es hat gepfiffen, geheult, kräftig durch die Ritzen gepustet und an den Türen gescheppert. Unseren Bus hab ich zur Sicherheit am Abend noch mitten auf die Wiese gestellt, damit er nicht von einem umgefegten Baum zermalmt wird.

In der Nacht bin ich mehrmals aufgewacht, weil etwas schmetterte und klabauterte. Grusselig, und im dunklen ja doppelt Angst-einhauchend. Meine Phantasie wird im dunkeln immer bunt und hält vor nichts und niemanden. Überhaupt nicht lustig wird’s, wenn ich alleine und zufällig einen Grusselfilm schaue. Das kennt doch jeder, da schaut man nichts ahnend noch mal durch alle Programme und bleibt bei etwas ganz Doofen hängen, weil das Doofe so eine verflixte Anziehung hat. Ich weiß es und kann doch nichts dagegen tun, ich bleibe verbannt hängen. Danach muss ich, wie damals als Kind, unters Bett und hinter jede verschlossene Tür nach dem Bösen schauen, um schlafen zu können. Mulmig ist mir dann und ärgern tue ich mich, dass ich dieses Doofe, was mir nicht guttut, überhaupt geschaut und an mich gelassen hab.

Danke Xaver! In Martinshof ist alles heil geblieben und nichts böses ist vorbeigekommen. Stattdessen hat es zu schneien begonnen. Rados verzücktes “chérie, es schneit!” hat mich gleich viel fröhlicher aus dem Bett springen lassen. Wie mit Puderzucker dekoriert, schauen die Hüttener Berge in naher Ferne aus. Jetzt wo die Bäume kein Kleid mehr tragen, kann ich von meinem neuen Schreib-Zimmer aus sehr viel weiter schauen, als noch vor einem Monat. Dazu kommt, dass bei uns vorm Haus neulich noch der Knick mit so einem riesengroßen Finger-Nagel-Knipser-für-Bäume abgeknipst wurde. Jetzt ist die Sicht unglaublich weit und anders.

Heute, an unserem vierten Auspack-und-mach-heimelig-Tag sieht die Welt in Martinshof schon etwas friedlicher in mir aus. Der Schnee verzaubert die durchgefegte und geschüttelte Umgebung und wenn die Sonne herabschaut, scheint es so, als hätte ich alles nur geträumt. Xaver, wer zum Teufel ist Xaver?

Das Verhältnis von ausgepackten zu unausgepackten Kartons hat sich umgedreht. Welch eroberndes Gefühl wieder Inhaber seiner Lage zu sein. Im Dachgeschoss ist das Gäste-Zimmer fast fertig eingerichtet. Die Schluss-Deko mache ich, wenn ich den Überblick über alle Räume gleichermaßen wiedergefunden habe. Was im Gäste-Zimmer jetzt noch existenziell fehlt, ist eine Matratze 140 x 200 cm für mein selbst entworfenes und von Verena getischlertes Bett. Wenn jemand von euch eine Matratze über hat, die eh gerade stört, noch nicht hinüber ist und doch hinfort soll, – ich hol sie gerne ab und lass sie wieder aufleben im Gäste-Bett.

In meinem Schreib-Zimmer ist jetzt auch fast alles an dem Ort seiner Bestimmung angelangt. Nur recht warm wird’s da oben nicht. Noch sitze ich lieber im Bett und schreibe meinen Blog-Eintrag mit Weitblick zum Kamin.

Das Wohn-Schlaf-Kamin-Zimmer ist momentan der schönste Raum. Hier ist es, als würden wir bereits angekommen sein. Ein bischen hat das Ankommen was von Puppenstube einräumen, wieder ausräumen, anders einräumen und wieder ganz neu einräumen. Beim Multi-gemütlich-Zimmer ist es jetzt alles stimmig. Es fühlt sich genau so an, wie es sein soll. Heimelig!

Ganz zu schweigen von der Wohn-Küche. Dort schaut es eher aus, als hätte Xaver gewütet. Die Küchen-Kartons stapeln sich an einer Seite hoch bis zur Decke, auf dem wunderschönen aber gerade etwas vermummt anmutenden Tafelrunden-Tisch liegen die Eichen-Küchen-Platten zum Feinschnitt bereit und unsere Reste an Nahrungsmittel verzieren des Handwerks Werkstätte.

Ich hab Rado mal alleine in seiner Küche-in-Spe hantieren lassen. Mal ehrlich, mich macht es eher wuschig, wie er vorgeht und das zusammen Arbeiten nach Tagen des Unalltages könnte die Beziehung hauen. Das muss ja nicht sein. Und zum Glück haben wir im Hexenhäuschen jetzt ja auch mehrere Etagen und obwohl jede einzelne klitzeklein ist, kann man sich vorzüglich aus dem Weg gehen. Eine Treppe höher und aus-den-Augen-aus-dem-Sinn. Famos ist das!

Morgen wünsch ich mir ein Luft-Fenster um einen Spaziergang in der Sonne zu machen. Die Gegend will ja auch erkundet werden.

Gute Nacht Ihr lieben in naher Ferne, ich hoffe Xaver war auch nett zu euch.
Agapi

 

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