So viel habe ich in mir noch nie gehört.

28. Februar 2013

Rado und ich waren drei Monate in Neuseeland und haben uns dort in der Natur eine Auszeit gegönnt. Wir wollten mal fort von allem, was uns kneift und piekt, uns leer machen und schauen, was dann so kommen will. Ich habe mal gehört, dass man erst eine Tür hinter sich zu machen muss, um eine neue vorzufinden die sich öffnen lässt?

Es war für mich gar nicht so leicht, den Verpflichtungen, dem Alltag und dem Stress ade zu sagen – von den Kommunikationsmitteln ganz zu schweigen. So eine Lebenstür zu zu machen, also eine Tür hinter der 40 Jahre liegen, machte mir ehrlich gestanden Angst. Das habe ich deutlich  gemerkt, als ich sie zugezogen hatte und es ganz still in mir wurde.

Mein Leben muss sehr laut gewesen sein. So viel habe ich in mir noch nie gehört.

Dann kam ich ins grübeln.

Mir blieb viel Zeit dazu. Rado ist im Gegensatz zu mir ein eher stillerer Mensch. Gegensätze ziehen sich an und müssen sich dann lieben lernen. Ich habe mich also im “in-mir-die-Stille-horchen-und-ertragen” üben dürfen. So stelle ich es mir bei Mönchen in Klöstern vor – tagelang meditieren und schweigen.

Die ersten Wochen fiehlen mir sehr schwer.

So war ich überaus glücklich als wir nach einiger Zeit auf ein älteres Ehepaar stießen, dass uns liebevoll aufnahm und mit Gastfreundlichkeit überschüttete. Die 60 jährige Adele hatte sich vor dreißig Jahren ein großes Stück Land gekauft, um davon die Hälfte wieder mit naturlichen Bäumen zu bepflanzt. Stück für Stück, so wie es ihr Geldbeutel zuließ, hat sie jeden Baum selbst gepflanzt, um den bezaubernden Vögeln wieder eine Station zum Innehalten zu schenken, wenn sie quer durch die Welt fliegen. Die kleinen Bäumchen waren in der Zwischenzeit zu einem richtiger Urwald herangewachsen, durch den Adele uns führen musste, damit wir uns nicht verlaufen.

So war ich wieder schön abgelenkt und musste nicht mehr den ganzen Tag sinnen und in mich hineinhören. Zwei Wochen durfte ich Urlaub vom Urlaub machen.

Wir durften mit Adele und Micheal an diesem herrlich-schönen Ort wohnen. In dem bezaubernden Häuschen an dem wir – wie von Gottes Hand geführt – tags zuvor vorbei gefahren sind. Wir revangierten uns mit Bäume-fällen, Feuerholz-für-den-Winter-fertig-machen, im-Garten-Unkraut-jäten, Lampen-und-Kochplatten-instalieren oder einfach nur mit lecker-zu-Abend-kochen.

Wir blühten auf. Ich ließ Rado in Ruhe und konnte mich nützlich machen. Wir philosopierten jeden Abend und kamen gegenseitig aus dem Staunen nicht mehr heraus, dass wir uns – fern ab von allen großen Straßen und Orten – auf einer kleinen Schotterpiste im Niergendwo getroffen haben.

Das obere Foto zeigt meine erste Skulptur in Holz – ich durte mich in Adeles Eukaliptus-Feuerholz-Wald, den sie extra vor 16 Jahren für den Kamin gepflanzt hatte, an einem Baumstumpf verewigen. DANKE Adele! Und danke Michael das du mich an deine Kettensäge gelassen hast!

Das hier ist von einem Nachbarhügel auf Adele und Michaels Land aus fotografiert.

agapi NZ panorama 3714

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