Meine Nerven lagen kurz blank

20. November 2013

Gestern lief nicht alles reibungslos. Es war rückblickend natürlich nur eine feine Kleinigkeit, die mich zum Abfeuern aufrief, aber in solchen Momenten sehe ich es kurzzeitig anders. Vielleicht ist gerade alles einen Hauch zu viel und ich ein Fünkchen überfordert. Aber dass das in der Werkstatt mit der Anhängerkupplung-an-den-Bus-machen sowas von lange gedauert hat, dass ich noch mal in den Garten gehen und meiner Wollust Büsche-zurück-schneiden nachgehen konnte, hat mich gleichzeitig gesäuert. Mein Doppeltermin in Hamburg stand in Gefahr.

Und dann hat Rado das falsche gesagt und PENG, hat’s mich aus der Haut fahren lassen. Darüber ärgere ich mich, weil ich es natürlich intellektuell besser weiß. Aber das hilft mir in dem Moment, wo ich platze, leider rein gar nichts. Ausserdem ist die Sache ja viel verzwickter. Denn, wenn ich das Ganze in Ruhe anfange zu sezieren, dann steckt hinter dem kleinen Kratzer eine Fettschicht und dann erst komme ich an den besagten Muskel, der verspannt ist. Der Kratzer hat lediglich den strapazierten Muskel angespannt und das hat “Sag-mal-bist-du-noch-ganz-…” ausgelöst.

Könnt ihr mir folgen?

Hinter dem vermeintlichen Lappälchen steckt etwas Gravierendes und das geht leider beim Aus-der-Haut-fahren völlig unter und dann, wenn man im Deck sitzt, dann ist es natürlich hölle-schwer zu sagen “sorry, dass ich eben unfreundlich war und vielleicht auch was Verletztendes gesagt habe, aber hier, hier hab ich es, die kleine feine Sache, die ganz dahinter versteckt war. Klein, wie eine Stecknadel, aber schmerzend wie ein Elefant, der auf deinem Fuß steht.”

Die Gefühls-Ereignisse stapeln sich, ähnlich wie unsere Umzugskartons. Ich merke langsam, dass es sich von dieser Stadt zu verabschieden gilt. Ich kann schon die Tage zählen. Sieben! Ich verlasse meine Stadt, in die ich mit 18 revolutionär gezogen bin, um frei zu sein. Hier wollte ich mich behaupten, mich selbstständig machen, wild und gefährlich leben. Ich hatte mir sogar eine Liste mit bösen Sachen gemacht und habe alles dran gesetzt, sie abzuarbeiten.

Wild und gefährlich hab ich gelebt.

Das Wetter passt natürlich zu meinem Lebens-Blues. Mir geht gerade so viel durch mein Herz. Ich muss lustigerweise beim Hoch-und-runter-Gehen unserer 96 Stufen immer an das gleichnamige Gedicht von Herrmann Hesse denken. Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Also Umziehen und Nerven putzen.

2 Kommentare vorhanden

  1. Kerstin sagt:

    Hey Agapi,
    aus der Haut fahren ist menschlich … so was von menschlich, gib dir ein bisschen Zeit … gesunde von den künstlichen Reizüberflutung, es stoßen doch gerade Welten aufeinander… HH und Plö!

    Fuß vom Gashebel … und lieb das, was du am meisten brauchst!

    Gute Nacht!

    • agapi sagt:

      Das stimmt. Die zwei Welten zu wechseln ist eine verdamt große Sache, die vieles aus meiner Kindheit hochkommen läßt. Da stehen mit einem mal viele der Dämonen von vor 20 Jahren an meiner Haustür. “Da bist du ja wieder, willkommen, Agapi!” Sie meinen mir Angst machen zu können, aber da haben sie sich geschnitten. Ich bin jetzt über 40, Welt und Mensch erfahren, selbstbewusst, glücklich und ich mag mich! “Guten Tag und jetzt geht mir aus der Sonne, Dämonen!”

      Okay, sie bringen in mir was zum tanzen, aber das muss mir keine Angst machen, ich wandle es um.

      Guten Morgen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar