Mehr Dorf, bitte!

8. Dezember 2013

Rado ist mein schärfster Kritiker. Nun ja, er ist mir am nächsten und ich frage und bitte ihn immer, mir brühwarm gerade-heraus zu sagen, was er von meinen Beiträgen hält. “Es ist zur Zeit ganz schön viel “Dein Leben”. Aber so ist es eben. Es ist ja auch Dein Blog.” ich dachte noch darüber nach und Rado hatte schon eine Idee. “Berichte doch mal von unserem Plan!”

Okay?!

Ja, wir haben uns einen Plan zur Seite gestellt. Pläne helfen, sich im Leben zurechtzufinden, sie sind die Leitplanken auf dem Serpentinen-Lebens-Weg. Pläne haben aber auch was von Rollatoren. Früher mochte ich Pläne nicht. Heute als In-einer-Beziehung-lebende-Frau finde ich sie ganz praktisch. Sich auf sie geeinigt, werden sie zum Marterpfahl in der Zukunft. Schwupps, man denkt nichts böses, steht plötzlich einer vor dir und du denkst “Au Backe, wie die Zeit vergeht!”

Dann muss man sich Gedanken machen, so man sich noch keine gemacht hat. Ob man will oder nicht, das war versprochen.

Also, aktuell wünsch ich mir, dass die Küche eine Küche wird. Das Latte macchiato im Reiskocher zubereiten und das dreckige Geschirr in der Badewanne säubern, mürbt langsam meine Sich-nicht-entspannen-wollenden-Nerven. Auch der hartnäckige Staub, der immer wieder durch das Werkeln im Hexenhäuschen entsteht und herumgewirbelt wird, hämmert, poltert, kratzt und zwickt. Ich wasche mir ständig meine Hände, creme sie ein und trotzdem fühlt sich alles stumpf und dreckig an. Ich werde älter, früher hätte ich das abenteuerlich gefunden.

Zum Plan, wir wollen erst einmal in Martinshof ankommen und uns Zeit bis Februar/März 2014 nehmen. Klingt vielleicht etwas blöd, aber seitdem wir aus Neuseeland zurück sind, haben wir noch keine Auszeit vom Dorfgründen gehabt. Schon vor Neuseeland war ich dabei, Menschen zu finden, denen es genauso geht wie mir. Seither führe ich intensive Gespräche lasse mich ein und schaue mir Gemeinschaften an. Das war eine verdammt intensive und gefühlige Zeit und Urlaub habe ich mir nicht gegönnt, weil ich ja erwerbslos bin. “Und als Erwerbslose nimmt man sich doch keinen Urlaub!” dachte ich. Rückwirkend zeige ich mir einen Vogel. Seitdem ich meine Firma an Liane abgetreten habe, lümmelte ich noch kein einziges mal faul auf dem Sofa. Das soll sich jetzt ändern.

Also, Rado und ich nehmen uns jetzt die Zeit in Martinshof, um anzukommen und uns dieses Fleckchen Erde in Ruhe und Frieden zu Gemüte zu führen. Die Vorweihnachtszeit und der Jahreswechsel sind da doch die passenden Gefährten. Ganz ohne uns-mit-Konzepten-schreiben-abzulenken, wollen wir hinein-fühlen und -horchen, was der Ort uns so zu erzählen hat.

Und wer sich diesen Ort auch einmal von nahem ansehen und hören möchte, kann – sobald wir die Küche soweit haben – auch gerne vorbeischauen und mit-hin-horchen.

Ihr seid herzlich willkommen!

p.s. jetzt noch was von “Dein Leben”.
Ein paar Impressionen von meinem ersten Spaziergang durch den Schnee gestern.

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