Besuch von der roten Minna

18. Dezember 2013

Heute hatten wir hier oben einmal kurz ein Sonnen-Fenster. Das haben wir gleich genutzt und einen Brief zum Briefkasten gebracht. Ja, dafür muss man hier mehrere Kilometer hinter sich bringen.

Wir haben uns für den gelben Kasten in Esprehm entschieden und tatsächlich, der wird einmal am Tag geleert. Das macht doch Freude auf mehr. Und auch hier in unserem eher amerikanisch dreinblickenden Postkasten der neben dem Hexenhäuschen in Schieflage steht, waren schon hübsche Überraschungen aus Hamburg, Marburg und Frankreich drinnen.

Der Briefträger kommt hier immer mit einem gelben VW-Bus vors Haus gefahren und wenn er ein Päckchen hat, das einer Unterschrift bedarf, dann klingelt er an unserer Haus-Glocke. Solch eine Schiffs-Sturm-Glocke hatten wir in meiner Kindheit auch, aber da hing sie in Mitten des Hauses und meine Mutter schlug sie immer dann kräftig, wenn sie sich Gehör verschaffen oder zu Tisch rufen wollte. Da wir reichlich viele waren – die Pflegekinder schwankten, fünf-sechs Kinder waren wir – sorgte es für trubelige Vier-Wände. Es half ihr, uns zu erreichen.

Der Hier-Briefträger steigt aus und glockt, dann wartet er auf ebener Erde. Er muss keine 96 Treppen mehr steigen, um uns ein Päckchen zu bringen. Als ich ihm das erste mal vor-die-Türe-springend mit den Worten “Schönen guten Tag, ich bin hier neu!” empfang und schaute, was er wohl in seinem Auto für uns bereit hält, grummelte er nur “Jou, das weiß ich!”. Mein “Da wo ich her komme, musste der Postbote immer in den 5. Stock!” heiterte ihn auch nicht sonderlich auf. Vielleicht ist er ja ein richtiger Norddeutscher. Die sollen ja wortkark sein.

Neulich, die Postfrau, hat sich mehr gefreut. Da hab ich das Beet um den amerikanischen Briefkasten freigeschnitten. Sie lächelte und drückte mir die Briefe in die schmutzigen Hände. So kommen die beiden in Zukunft auf alle Fälle leichter an die amerikanische Klappe.

Auf unserm Brief-wegbring-Spaziergang haben wir in Espehm ein informatives schon leicht verwittertes Holz-Plexi-Schreiben-Schild getroffen, das schön die ganze Gemeinde Güby erklärt. Herrlich, so als Neu-Ankömmlinge ein Heidenspaß seinen Ort im Wusel-Bild zu finden. Na ja, so unübersichtlich ist es hier nicht. Ich habe übertrieben.

Und just als ich im Garten rumfuhrwerkelte kam eine kleine alte rote Minna vorbeigefahren und brachte ein Weihnachts-Geschenk. Das hat mich alte Werbe-Tante gefreut, als ich den Aufkleber auf dem Eimerchen laß.

Jungs und Mädels, ich ziehe den Hut! Euer “Gübyer Löscheimer” ist herzallerliebst und sollte beim ADC eingereicht werden. Die kleine im Titanik-Humor-versteckte-Botschaft mit der Gebrauchsanweisung:

1. Im Brandfall 112 anrufen
2. Auf die Feuerwehr warten
3. Falls Feuerwehr nicht kommt mit Nachbarn eine Eimerkette bilden! (die haben nämlich auch einen!)

Und damit das nicht passiert, werden Sie aktives Mitglied in der Feuerwehr Güby!

gefällt mir. Ich hab mir daraufhin sogar die Flyer im Eimer angesehen, in dem ihr Freiwillige-Feuerwehr-Frauen-und-Männer sucht.

Die bedrohliche Headline “stell dir vor, du drückst und alle drücken sich” hatte auch was, ist aber nicht mein Stil. Sorry!

Und wieder geht ein ereignisreicher Tag vorbei.

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