Pflanzenkunde

29. Dezember 2013

Meinem eigenen Versprechen, bis zum 6. Januar mal richtig zu entspannen und nur den Rehen beim grasen, den Vögeln beim zwitschern und den Bäumen beim hin-und-her-schwanken zuzuschauen, hab ich gestern den Rücken zugewandt. Mir hat es so in den Fingern gejuckt. Ich konnte nicht anders als mit Papier und Stift rauszugehen und alle größeren Pflanzen und Bäume zu notieren. Das Auf-Martinshof-herum-schreiten und alles wahrnehmen, festhalten und in Bezug bringen wird mir helfen, noch mehr Fuß zu fassen und mich hier mitten hineinzustellen. Das ist wie mit dem Von-oben-bis-unten-das-Häuschen-saubermachen, bevor wir eingezogen sind. Und dann ist es natürlich auch gut für meine weitere Dorf-Pflanz-und-Ausbau-Planungen.

Die Höhen und Tiefen hier auf dem Gelände habe ich auch versucht zu greifen und den Verlauf der Sonne fand ich auch sehr wichtig im Verhältnis zur Fläche. Wo fällt das Licht wie und wann hindurch. So stelle ich mir die Landschafts-Architekten vor. Am besten wäre es, sich mit einem Schlafsack von Fleckchen zu Fleckchen über nacht und Tag zu legen und Notizen zu machen.

Mir scheint, als gäbe es hier noch ungeahnte Verwunschene-Traum-Plätzchen die es zu finden und herauszuputzen gilt. Jetzt aber hab ich erst einmal alles festgehalten, die Basis des Darüber-nachsinnen ist geschaffen. Jetzt braucht es nur noch das echte Raum-Maß-Gebilde als Untergrund, denn ich habe Martinshof etwas dolle verzerrt dargestellt. Da frag ich Martin morgen.

Gersten war ich Mutter-Seelen-allein in Martinshof. Vorgestern auch schon. Das ist vielleicht ungewohnt. Im Hellen ja noch ganz okay, aber wenn es dunkel ist, geht meine Phantasie mit mir spazieren. Und dann ist vorgestern noch nicht mal das Auto angesprungen, als ich es vor der Haustür wegfahren wollte. Ich war gerade dabei das fantastische Kopfsteinpflaster freizulegen, das vor Urzeiten vor unserer Haustüre verlegt wurde und komplett in Vergessenheit geraten ist. Über allem lag eine dicke Schicht Gras-an-Erde.

Das Entfernen der Gras-an-Erde-Schicht war ein bissle wie Roll-Rasen rückwärts verlegen. Ich hab die Gras-an-Erde-Schicht immer aufgerollt. Das ging gut und hat natürlich Laune gemacht, doch als das Auto nicht anspringen wollte, bremste es zum einen meinen Elan, alles schön ordentlich vor unserer Haustüre zu machen und zum anderen dachte ich die ganze Zeit “was wenn ich jetzt dringend …!” Mir fiel aber beim besten willen nicht ein, was ich aus der Zivilisation bräuchte, was nicht bis Montag warten kann, bis Rado wieder kommt.

Irre, dass diese Kleinigkeit mir hier in der Walachei versucht ein fluffiges Gefühl zu verpassen. Wie bin ich konditioniert, das mich so ein Pups für kurze Zeit so irritieren kann? Wie viel Angst muss dann bei den Menschen im Herzen sein, wenn sie das Wort VERZICHT hören. Vor Weihnachten hab ich einen Beitrag auf D-Radio hören wollen, den ich dann aber abschalten musste. Ich konnte den einen der beiden nicht ertragen. Hubertus Pellengahr (Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) war mir ausgesprochen unsympathisch und er vertrat auch noch so naiv den Kaufrausch ohne Rücksicht auf Verluste. Aber das ist ein anderes Thema, mir kam nur heute der Gedanke “Wie dem Hubertus es wohl gehen würde, wenn er kein Auto mehr hat und hier in Martinshof verweilen müsste. Wäre es eine Qual für ihn?”

Mir geht es super, dass ich das Auto nicht vermisst hab und das ich den ganzen Tag draußen am arbeiten war. Herrlich!

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